Die Kunstpsychologie ist einerseits Teilgebiet der Psychologie, dessen Aufgabe die psychologische Analyse von Sachverhalten ist, die dem Bereich der Kunst zugeordnet werden, z.B. Erleben und Verhalten des Künstlers, Interpreten und Kunstbetrachters. Es gibt in der Kunstpsychologie wahrnehmungspsychologische, philsophisch-ästhetische und psychoanalytische Ansätze. Andererseits kann die Kunstpsychologie auch als ein der Teilgebiet der Kunstwissenschaft verstanden werden, weil sie über die ikonographische und ikonologische Betrachtung hinaus, wichtige Beiträge zur Psychologie des Kunstwerkes und zur psychohistorischen Analyse liefern kann.
Die Analytische Kunstpsychologie basiert auf tiefenpsychologischen Grundlagen. Bei der Analyse eines Kunstwerkes (z.B. der Dürers "Melencolia I", Abb.) ist eine Zusammenführung verschiedener psychologischer und kunsthistorischer Verfahren notwendig, um einen tiefenhermeneutischen Zugang zum Werks zu erlangen. Hierbei geht es um ein "Sinn-Verstehen" der unbewussten Bedeutung von Kunst. Dieser unbewusste Inhalt gibt dann bei genauer Analyse Aufschlüsse über mögliche Persönlichkeitsaspekte des Künstlers und über die psychologisch-gesellschaftliche Situation seiner Zeit. Dürers "Melencolia I" deutet darauf hin, dass der Mensch im Zeitalter Dürers , sich zunehmend selbst bewusst wurde. Autonomiebestrebungen und das Ringen um die Bewusstwerdung der eigenen Individualität mit ihren Leidensaspekten ,im Spannungsverhältnis zwischen Religion, Philosophie und Welt, gelangen im Dürer-Stich zum Ausdruck.
Georg Franzen
Literaturhinweise:
Arnheim, Rudolf (1991). Neue Beiträge. Köln: DuMont.
Allesch, Christian, G. (1987). Geschichte der psychologischen Ästhetik. Göttingen:Hogrefe
Allesch, Christian, G. (2006). Einführung in die psychologische Ästhetik. Wien: Facultas
Benedetti, G./U. Rauchfleisch (1989). Welt der Symbole. Göttingen: Vandenhoeck.
Chasseguet-Smirgel, Janine (1988). Kunst und schöpferische Persönlichkeit. Anwendung der Psychoanalyse auf den außertherapeutischen Bereich. München: Verlag Internationale Psychoanalyse.
Clemenz, Manfred (2003). Freud und Leonardo. Eine Kritik psychoanalytischer Kunstinterpretation. Frankfurt/M.: Brandes & Apsels.
Dieckmann, Hans (1981). Archetypische Symbolik in der modernen Kunst.Hildesheim:Gerstenberg
Eissler, R. Kurt (1994). Leonardo da Vinci. Psychoanalytische Notizen zu einem Rätsel. München: dtv.
Evertz K. u. Janus L. (Hg) (2002). Kunstanalyse. Ästhetische Erfahrung und frühe Lebenszeit. Heidelberg: Mattes.
Fitzek, H. u. Salber W. (1996). Gestaltpsychologie. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft.
Franzen, Georg (1992). Der tiefenhermeneutische Zugang zur bildenden Kunst ' dargestellt am Beispiel der Freud -Studie `Der Moses des Michelangelo". Untersuchung der Erlebnisfiguren in der psychoanalytischen Kunstanalyse. Frankfurt/Main: Peter Lang.
Franzen, Georg (2001). Psychologie für Kunstwissenschaftler. In: G. Krampen u. H. Zayer (Hrsg.). Psychologiedidaktik u. Evaluation III,S.151-161. Bonn: Dt. Psychologen Verlag.
Franzen, Georg ( 2004). Symbolisches Verstehen. Beiträge zur angewandten Kunstpsychologie. Frankfurt/Main: Peter Lang. . Peter Lang Publishing Group - Academic Publishers
Franzen, G. (2009). (Hrsg). Kunst und seelische Gesundheit. Mit Beiträgen von Christian Allesch, Yolanda Bertolaso, Barbara Schulte- Steinicke, Georg Franzen, Ruth Hampe, Karl Hörmann, Andrea Korenjak, Lisa Niederreiter, Peter Rech, Silke Schauder, Walter Schurian, Martin Schuster, Karl-Heinz Menzen und Nossrat Peseschkian Erscheint 4/2009 Berlin: Medizinisch- wissenschaftliche Verlagsgesellschaft. Kunst und Seelische Gesundheit: Georg Franzen: Amazon.de: Bücher
Freud, Sigmund (1987). Schriften zur Kunst und Literatur. Frankfurt/Main: Fischer.
Fromm, Erich (1990). Die Entdeckung des gesellschaftlichen Unbewußten. Weinheim: Beltz.
Greve, Gisela (Hg.) (1996). Kunstbefragung. Dreißig Jahre psychoanalytische Werkinterpretation. Tübingen: edition diskord.
Grubrich-Simitis, Ilse (2004). Michelangelos Moses und Freuds “Wagstück”. Eine Collage. Frankfurt/M : S. Fischer.
Hampe, Ruth (1999). Metamorphosen des Bildlichen. Bremen: Universität Bremen.
Herding, Klaus (1994). Panofsky und das Problem der Psycho-Ikonologie. In: Reudenbach a.a.O.
Jacobi, Jolande (1992) Vom Bilderreich der Seele. Wege und Umwege zu sich selbst. Zürich: Walter
Jung, C.G.(1980). Der Mensch und seine Symbole. Olten: Walter.
Jung, C.G. (1995). Über das Phänomen des Geistes in Kunst und Wissenschaft. Zürich: Walter
Kraft, Hartmut (1984). Psychoanalyse, Kunst und Kreativität heute. Die Entwicklung der Kunstpsychologie seit Freud. Köln:
DuMont. Neuauflage (2007). Berlin: Medizinisch wissenschaftliche Verlagsgesellschaft.
Kohut, Heinz (1977). Introspektion, Empathie und Psychoanalyse. Aufsätze zur psychoanalytischen Theorie, zu Pädagogik und Forschung und zur Psychologie der Kunst. Frankfurt/M: Suhrkamp.
Kobbert, Max J. (1986) Kunstpsychologie: Kunstwerk, Künstler und Betrachter. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft.
Kreitler H. u. Kreitler S. (1980). Die Psychologie der Kunst. Stuttgart: kohlhammer.
Keazor, Henry (2002) Psychische Energien bildender Kunst. Festschrift Klaus Herding. Köln: DuMont.
Kuhns, Richard (1986). Psychoanalytische Theorie der Kunst. Frankfurt/M: Suhrkamp.
Kofmann, Sarah (1993). Die Kindheit der Kunst. Eine Interpretation der Freudschen Ästhetik. München: Fink.
Lorenzer, Alfred (Hrsg.) (1988). Kultur-Analysen. Psychoanalytische Studien zur Kultur. Frankfurt/M. Fischer.
May, Rollo (1987). Der Mut zur Kreativität. Paderborn: Junfermann.
Menzen, Karl-Heinz( 1990). Vom Umgang mit Bildern. Köln: Claus Richter.
Matthies, Klaus (1988). Schönheit, Nachahmung, Läuterung. Frankfurt/Main: Peter Lang.
Neumann, Erich (1992). Die Psyche als Ort der Gestaltung. Frankfurt/Main: Fischer.
Niemeyer-Langer, Susanne (2003). Der kreative Dialog der Künstlerin Niki des Saint Phalle. Gießen: Psychosozial-Verlag.
Panofsky, Erwin (1978). Sinn und Deutung in der bildenden Kunst. Köln: DuMont.
Rank, Otto (2000). Kunst und Künstler. Studien zur Genes und Entwicklung des Schaffensdranges.Gießen:Psychosozial.
Reudenbach, Bruno (1994). Erwin Panofsky. Beiträge des Symposiums 1992. Berlin: Akademie Verlag
Salber, Wilhelm (1999) Kunst-Psychologie-Behandlung. Köln: König
Segal, Hanna (1996). Traum, Phantasie und Kunst. Stuttgart: Klett-Cotta.
Schindler, Thomas (2000). Zwischen Empfinden und Denken. Aspekte zur Kulturpsychologie von Aby Warburg. Münster: LIT
Schneider, Gerhard (Hg.) (1999). Psychoanalyse und bildende Kunst. Tübingen: edition diskord.
Schuster, Martin (2002). Wodurch Bilder wirken. Psychologie der Kunst. Köln: DuMont.
Schuster, M. u. Ameln-Haffke H. (2006). Museumspsychologie. Erleben im Kunstmuseum.Köln: DuMont.
Schuster, Martin (2008). Rituale, Kunst und Kunsttherapie. Berlin: Medizinisch wissenschaftliche Verlagsgesellschaft.
Schurian, Walter (1993). Kunstpsychologie heute. Bd. I. u. II. Göttingen: Verlag für angewandte Psychologie.
Soldt, Philipp (Hg.) (2007). Ästhetische Erfahrungen. Neue Wege zur Psychoanalyse künstlerischer Prozesse.Gießen: Psychosozialverlag.
Verspohl, Franz-Joachim (2004). Michelangelo Buonarotti und Papst Julius II. Göttingen: Wallstein.
Weyerstraß, Henning (2006). Das Geheimnis des Bahnhofs von Perpignan von Salvador Dali. Brühl: Dieter Klein.
Zuch, Rainer (2004). Die Surrealisten und C.G.Jung. Studien zur Rezeption der analytischen Psychologie im Surrealismus am Beispiel von Max Ernst, Victor Brauner und Hans Arp. Weimar: VDK.
Analytische Kunstpsychologie | Psychologische Praxis | Institut für Kunstpsychologie | Museumspsychologie | Imaginationstherapie - Bilderleben | Kunsttherapie | Kritzeleien | Veröffentlichungen | LINKS | Aktueller Artikel
