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Museumspsychologie

Die Betrachtung eines Kunstwerkes oder die Erfahrung eines Kunstraumes kann die Verbalisierung von Erlebnisinhalten unterstützen. Dieser Zusammenhang hat in der Praxis der rezeptiven Kunsttherapie eine besondere Bedeutung. Hier geht es darum Bilder erlebnishaft zugänglich zu machen und die Wahrnehmungsfähigkeit anzuregen. Rezeptive Bilderarbeit in Museen bietet sich u.a. an für die therapeutische Arbeit mit psychisch kranken Erwachsenen (Franzen,1997). Es kann im gesamten Zusammenhang von einem interpersonalen Ansatz gesprochen werden, wobei Medien den therapeutischen Prozess unterstützen. Besonders dort, wo die Kommunikationsfähigkeit eingeschränkt ist, bietet sich der rezeptive Gebrauch von Kunst in therapeutischen Bezügen an. Hier kann die rezeptive Arbeit mit Bildender Kunst dazu beitragen, Einschränkungen der verbalen Kommunikation aufzulösen. Ein weiterer rezeptiver Ansatz ist die von Heiling (1995) durchgeführte Kunstbetrachtung mit Museumsbesuchern, die auf der Basis der Morphologischen Psychologie von Wilhelm Salber gründet. Wilhelm Salber (1999, 13) beschreibt, das Psychisches nur zu verstehen ist, indem wir es auf Kunst beziehen: "Kunst und Seelisches existieren nur in Hin- und Her - Bewegungen, im Übergang in anderes, in Ergänzungen und Brechungen". Die von Hans-Christian Heiling durchgeführtes "Seelentrainings" für Museumsbesucher, können als praktische Anwendungen einer Museumspsychologie definiert werden.. In einem ruhigen Umfeld sollen die Betrachter entspannen, ihre sonstige Art der Kunstrezeption vergessen und sich nur auf das Bild konzentrieren. Über zentrierte Assoziationen wird die eigene Wirklichkeit am Bild reflektiert und durch die Wirklichkeit des Bildes gebrochen.. Es gilt einen Entwicklungsprozess Gang zu setzen, an dem alle beteiligt werden. Die Präsentation von Kunstwerken, der Aufbau einer Ausstellung unter psychologischen Aspekten ist ebenfalls ein Gebiet der Museumspsychologie. In Ansätze von Salber (1988) wird z.B. die Wirkungseinheit eines Museums analysiert, Einstiegsformen für einen Fahrstuhl untersucht, der sich zwischen Lebensinteressen und Kunstinteressen bewegt.

Konrad Oberhuber (1993,197) sieht einer der Aufgabenstellungen der Museumspsychologie in der Auseinandersetzung mit Köperhaltung und Raumerleben. "Museen stimulieren diese Einfühlung nicht nur durch die präsentierten ganz verschiedenen Kunstwerke selbst, von denen uns jedes zu einer Änderung unserer inneren Körperhaltung herausfordern kann, sondern durch ihre Art der Präsentation und durch ihre Architektur mit ihrem eigenen künstlerischen Wert, der den der ausgestellten Kunstwerke heben kann. "

Harald Ackerschott (1997), der mit Mitarbeitern seines psychologischen Instituts einige Jahre für das Deutsche Museum in Bonn gearbeitet hat, berät die Museumsleitung in folgenden Schlüsselfragen :

Wie sollte eine Ausstellung aufgebaut sein ?

Wie können Rundgänge gestaltet werden ?

Welche Farbkombinationen eignen sich an Informationstafeln?

Welche Kriterien gibt es für die Textformulierung?

Georg Franzen
 

Literaturhinweise:

Dannemann, Martina (1997).Türen öffnen und aufhalten- nicht nur in Museen.Über den Diplom-Psychologen Harald Ackerschott, in report Psychologie 22 (9/97), S.677-678.

Franzen, Georg (1997). Rezeptive kunsttherapeutische Verfahren, in Otto Kruse (Hrsg.) Kreativität als Ressource für Veränderung und Wachstum. Tübingen: dgvt.

Franzen, Georg (1998). Psychologie in der Künstlerweiterbildung. In G. Krampen & H. Zayer (Hrsg.9, Psychologiedidaktik und Evaluation I (s. 283-294. Bonn: Deutscher Psychologenverlag.

Franzen, Georg (2001). Psychologie für Kunstwissenschaftlerinnen. In G. Krampen & H. Zayer (Hrsg.), Psychologiedidaktik und Evaluation III.Bonn: Deutscher Psychologenverlag.

Franzen, G. (2009). (Hrsg). Kunst und seelische Gesundheit. Mit Beiträgen von Christian Allesch, Yolanda Bertolaso, Georg Franzen, Ruth Hampe, Karl Hörmann, Andrea Korenjak ,Lisa Niederreiter, Peter Rech, Silke Schauder, Walter Schurian, Martin Schuster, Karl-Heinz Menzen und Nossrat Peseschkian Erscheint 4/2009 Berlin: Medizinisch- wissenschaftliche Verlagsgesellschaft. Kunst und Seelische Gesundheit: Georg Franzen: Amazon.de: Bücher.

Konrad Obernhuber (1993).Standpunkte:Anmerkung zu einer Psychologie des Museums, in Walter Schurian (Hrsg.) Kunst und Psychologie II, 1997-2079, Göttingen: Verlag für angewandte Psychologie.

Salber,-Wilhelm (1988). Probleme mit dem Museum - Probleme für das Museum ,in: Zwischenschritte, 1988, 7 (1), 17-29, Universität Köln ; Psychologisches Institut

Salber, Wilhelm (1999): Kunst-Psychologie-Behandlung.Köln: Walther König.

Schurian, Walter (1992). Kunst im Alltag. Kunst und Psychologie 1. Stuttgart: Verlag für angewandte Psychologie.

Schuster, Martin u. Ameln-Haffke, Hildegard (2006). Museumspsychologie. Erleben im Kunstmuseum. Göttingen:Hogrefe

Schurian, Walter (1993) Kunstpsychologie heute. Kunst und Psychologie 2. Göttingen: Verlag für angewandte Psychologie.

Martin Tschechne (1995) Wie die Blume zur Klobürste wurde. Der Kölner Diplom-Psychologe Hans-Christian-Heiling in der Arbeit mit Museumsbesuchern,in art-Kunstmagazin 9/95.

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